Die Park-Historie

„Faszinierende Geschichte(n)“

Denkmäler sind in die Landschaft eingebettet – ein Pfund, mit dem Königsdorf sich über den Ort hinaus einen Namen machte. Was der denkmalgeschützte Park an historischen Schätzen birgt, ist bemerkenswert.

Quellenstudium: Wohl niemand sonst hat sich mit der eindrucksvollen Architektur in einem englischen Landschaftsgarten derart intensiv auseinandergesetzt wie Prof. Dr. Paul Stelkens, ein überzeugter Königsdorfer, der unsere Bürgerinitiative mitbegründet hat und sich mit Rat und auch (finanzieller) Tat für die historischen Zeugen im einstigen Straßendorf stark macht. Sein im Pulheimer Verein für Geschichte herausgegebenes Werk „Die Geschichte der Königsdorfer Villa Pauli und ihrer Erbauer“ (38. Sonderveröffent-lichung) legt davon beredt Zeugnis ab. An dieser Stelle greifen wir vornehmlich auf seine umfassenden Recherchen zurück.

Zeitstrahl

3.10.1875

Einzug

Carl und Fritz Pauli ziehen durch das Westportal in die neu erbaute Villa mit Park

3.10.1875
1905

Sommersitz

Nach Carls Tod nutzt Bruder Josef die Villa als Sommersitz für sich und seine Frau Anna

1905
1919/1920

Verkauf

Erwerb durch Armen-Schwestern vom Hl. Franziskus zur Reha schwerstkranker Schwestern

1919/1920
1924

Gartenpavillon

Kardinal Schulte lässt Gartenpavillon in den Park setzen

1924
1926

Anbau

zweigeschossiger Anbau über nordöstlicher Veranda

1926
1927 / 28

Kapellenanbau

Die Kapelle wird erbaut

1927 / 28
1934

Schwesternfriedhof

Der alte Schwesternfriedhof entsteht

1934
1945

Der Turm wird Zerstört

Stark zerstörtes Mansardengeschoss und durch Artillerie zerstörter Turm – dafür neues 3. Geschoss

1945
1952

Noviziat

Anbau des Noviziats

1952
1963

Neuer Anbau

An Villa Pauli angebautes neu errichtetes Gebäude für pflegebedürftige Menschen, das zwischen 2003 und 2005 erweitert und vollständig modernisiert professionelle Pflege ermöglicht

1963
1975

Schwesternfriedhof

Es entsteht ein neuer Schwesternfriedhof

1975
1997

Villa unter Denkmalschutz

Aufnahme in Denkmalliste der Stadt Frechen

1997
2003

Denkmalschutz

Der Kardinal Schulte Pavillon wird unter Denkmalschutz gestellt

2003
2014

Denkmalschutz

Westportal wird unter Denkmalschutz gestellt

2014
2019

Denkmalschutz

Park mit Einfriedungsmauer und Pankratiusstein wird unter Denkmalschutz gestellt

2019

Die Namensgeber und Erbauer

Die aus einer Posthalterfamilie stammenden Brüder Carl und Fritz Pauli ließen 1875 die Villa Pauli als Wohnhaus im Stil eines im betuchten Bürgertum üblichen Schlösschens im englischen Landschaftsgarten des früheren Klosterwaldstück der Benediktinerinnen erbauen. Schlösschen und Landschaftspark wurden von einer Backsteinmauer umfriedet. Hier lebten, feierten die beiden Landedelleute Feste und gaben Jagdgesellschaften, hier züchtete ihr Freund Jakob Pannes Pferde und trainierte sie auf einer eigenen Reitbahn.
Die Pauli-Brüder wussten nicht nur zu leben – sie kümmerten sich auch freigiebig um die Königsdorfer/innen, eben echte Wohltäter, die Bedürftige und Kranke versorgten. Zeugnis vom segensreichen Wirken der Paulis spiegeln in Frechen-Königsdorf die Paulistr., die Pauli-Grabstätte auf dem Kleinkönigsdorfer Friedhof oder die Magdalenakapelle, in Köln der Pauliplatz wider.

Der Park

Ein Waldstück des 1802/1803 aufgehobenen Benediktinerinnen-Klosters, mit 18 ha heute der größte private, aber öffentlich zugängliche Park in Frechen, umfasst von einer Mauer aus Backstein. Fritz Pauli schuf die Parkanlage nach dem Vorbild eines englischen Landschaftsgartens mit einem weitläufigen, auch später vom neuen Eigentümer, den Schervier-Schwestern, kaum veränderten Wegesystem. Die von Geländeeinschnitten unterbrochene Waldlandschaft verfügt auch heute noch trotz Windbruchs über einen teils Jahrhunderte alten Baumbestand.

Die Villa Pauli

Die Schlösschen genannte Villa mit Waschküche, Kutscherwohnung, Remise und Pferdeställen übertraf die Häuser Königsdorfer Industrieller und lehnte sich an den Gebäudetyp der Essener Villa Hügel an. Prächtig auch die Innenausstattung und Deckenmalereien im Erdgeschoss und Treppenhaus, die – wegen ihrer Pracht – von den beschämten Schwestern übermalt und erst 1980 wiederentdeckt wurden.

Das Westportal

Repräsentativer Haupteingang der Villa Pauli an der Westseite des Parks, auch Westtor genannt. Pfeiler mit Kartuschen (Medaillons) – Initialen weisen auf die Erbauer Carl und Fritz bzw. das Emblem der Schervier-Schwestern auf die nachfolgenden Eigentümer hin. Genietetes Metalltor, nebst seitlicher Schlupfpforte. Durch das Westportal führte die Via Belgica. Das eindrucksvolle Tor ist in die Jahre gekommen und steckt jetzt in der dritten Sanierungsphase – Ende offen.

Der Kreuzweg

Möglicherweise geht der heutige Kreuzweg mit 15 Stationen auf den frommen Carl Pauli zurück. Jedenfalls zerstörten Sturm und Vandalen mehrfach Stationen, die aus Naturstein gemauert sind, kleinen Heiligenhäuschen ähneln, mit Keramikfiguren und eingearbeiteten Holzkreuzchen anschaulich die verschiedenen Stationen auf dem Leidensweg von Jesus zum Ausdruck bringen. Restaurierung mit Spenden Königsdorfer Bürger durch die Hobbykünstlerin Franziska van de Pasch.

Der Kardinal-Schulte-Pavillon

1924 erbaut, stand zunächst hinter Station 5 des Kreuzwegs und wechselte dann seinen Standort in die Nähe der Villa. Der Pavillon erinnert an Kardinal Schulte. Seine Eminenz ließ den schönen Holz-Bau mit achteckigem Grundriss in den Park bringen, weil sich im Terrain des Bensberger erzbischöflichen Priesterseminars kein guter Platz fand. Einmal im Monat kam er in dieses auch als „Kleines Palais“ bekannte Gartenhäuschen, um seine Aufgaben ohne Störung durch Besucher zu erledigen. 2003 Eintrag des Pavillons in die Denkmalliste.

Der Pankratiusstein

Zu Ehren eines Almosenempfängers errichteten die Pauli-Brüder einen Gedenkstein auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe des Schulte-Pavillons. Sieht eher wie ein römischer Weihestein aus, soll aber an den Invaliden Pankratius Track aus Glessen erinnern – siehe Relief auf der Rückseite des Steins. Arm, mittellos, blind, gelähmt an Hand und Fuß war er auf Hilfe einschließlich täglicher Mahlzeit angewiesen, nachdem er mehrere Unglücksfälle beim Bau des damals weltweit längsten Eisenbahntunnels in Königsdorf erlebt hatte. Die Schervier-Schwestern restaurierten den im 2. Weltkrieg zerstörten Gedenkstein.

Die Trauerhalle/Kapelle neuer Schwesternfriedhof

1975 entstand der neue Schwesternfriedhof. Ende des Jahres/Anfang 1976 hat der Kölner Architekt Ludwig Kübler die dazu gehörige Friedhofskapelle – auch als Trauerhalle bekannt – entworfen. Vielmehr geben die Quellen über das gelungene Werk freilich auch nicht her. Dabei verdient das schöne Gebäude alle Aufmerksamkeit. Denn wie auf einem Lichtband schwebt der architektonisch anspruchsvolle Bau.
Wer durch die Eingangstür des Gebäudes mit dem metallischem Emblem des Schervier-Schwestern geht, gelangt in einen Raum, der einen Ort der Stille darstellt, gleichzeitig auch zu Begegnung, zu Vorträgen anregt. An den Betonwänden lecken ausgesparte rote Feuerzungen aus Glas. Ein Jammer, dass dieses Gebäude zuletzt nur noch selten für Beerdigungen oder Veranstaltungen, dafür mehr als Abstellraum für Gartengerätschaft genutzt wurde und durch bröckelnden Beton und Vandalismus auffiel.