Denkmaltag „Sein & Schein“ im Park

Prof. Dr. Paul Stelkens führte durch die Geschichte vom Park Villa Pauli – Die
Bürgerinitiative bittet um Wertschätzung

Der Wettergott spielte mit, die „Armen-Schwestern“ öffneten repräsentative Räume, Mitglieder unserer Bürgerinitiative (BI) hatten gerade Fußbänkchen am Kreuzweg hergerichtet. Alles war vorbereitet für und von BI-Mitglied Prof. Dr. Paul Stelkens, der gerade seine denkmalrechtliche und zeitgeschichtliche Betrachtung „Die Geschichte der Königsdorfer Villa Pauli und ihrer Erbauer“ auf den neusten Stand seiner Recherchen bringt. Der jährlich bundesweite Tag des offenen Denkmals stand diesmal, am 12. September, unter dem Motto „Sein & Schein“. In dieser Hinsicht hat der private, öffentlich zugängliche denkmalgeschützte Park mit seinen architektonischen Highlights eine Menge geschichtlicher Formensprache zu bieten – im wörtlichen Sinne des Mottos mit Wirklichkeit und Täuschung,
freilich natürlich auch im übertragenen Sinne. So sind die markanten Einrichtungen des einstigen englischen Landschaftsparks wie das Westportal oder der Kardinal-Schulte-Pavillon doch teilweise sichtlich in die Jahre gekommen und müssen vom privaten Eigentümer gemeinsam mit der Bürgerinitiative, unterstützt vom Land NRW, der Stadt Frechen und der Unteren Denkmalbehörde um Anna Götte auf Vordermann (*!) gebracht werden. Das ist für alle Beteiligten Herausforderung und Chance zugleich: Das dauerhafte Projekt zur Erneuerung und Belebung des Parks kann nur gelingen mit den Königsdorfer Bürger/innen*, die unsere Arbeit schon jetzt dankenswert
mit finanziellen Mitteln und Zuspruch begleiten.

Zwischen Kulturerbe und Vermächtnis
Stelkens führte gespickt mit historischen Details und Anekdoten am Vor – und Nachmittag jeweils eineinhalb Stunden zwei Gruppen von Interessenten durch Park und Anlagen, allen voran die Villa Pauli. Das einst von den Gründern Carl und Fritz Pauli Ende des 19. Jahrhunderts als ihr Schlösschen erbaute Refugium, die Hauskapelle der Armen-Schwestern mit den wunderschönen Wand- und
Deckengemälden und die vom Kölner Architekten Ludwig Kübler errichtete Kapelle am Neuen Schwesternfriedhof faszinierten die zahlreichen Besucher. Stelkens breitete vor ihren Augen das Erscheinungsbild einer großbürgerlichen Architektur, eines wahren Kulturerbes aus, das es in der Gegenwart und in der Zukunft zu erhalten und pflegen gilt. Damit untrennbar verbunden sind die
Leistungen der Armen-Schwestern des Heiligen Franziskus, die Königsdorfern wie Flüchtlingen in aufopferungsvoller Arbeit Schutz und Obdach in allen Zeiten gewährten. Das ist das wahre Vermächtnis ihres – in der Notzeit nach dem 1. Weltkrieg – durchschnittlich nur 35 Jahre währenden fürsorglichen Lebens; für Menschen von heute ist das kaum vorstellbar und wird oft gern vergessen, wenn es um Religion, Glaube oder eben Sein & Schein geht.

Zeitgenossen als Spielverderber
Den Respekt verloren haben leider vor Ort zunehmend Zeitgenossen, die im Dunklen ihr Unwesen treiben. Indem sie frisch renovierte Bänke beschmieren, wertvolle Bauten und Gerätschaften beschädigen, Schutt und Müll abladen, Zäune vernichten, selbst Pflanzen und auch Parkverbotsschilder stehlen, nur um wild parken zu können, Tiere mit Nussecken füttern, über Mauern steigen, an geschlossenen Toren rütteln oder einbrechen, sich ohne Rücksicht auf Spaziergänger, Jogger und andächtige Parkbesucher unangemessen in der reichen Natur fortbewegen und an ihr vergehen, Drogenkonsum mit Spritzbesteck inklusive. Diese Parkbesucher, und es sind nicht nur junge Menschen, bringen alle Beteiligten um die Früchte ihrer Arbeit im Park: Eigentümer, die ehrenamtliche Bürgerinitiative, Spender, Steuerzahler, die erholungsuchende Allgemeinheit aus Königsdorf und Umgebung. Nein, natürlich handelt die Mehrheit regelgerecht. Aber die Anderen? Häufige Antwort an uns Ehrenamtler auf die freundliche Bitte, sich vernünftig zu verhalten, erleben wir häufig nach dem Muster: „Wer sind Sie denn, was haben Sie mir eigentlich zu sagen, und mit welchem Recht?“ Reagieren mit purer Ironie? Wir sorgen mit den Helfern schließlich unentgeltlich – nur – dafür, dass Bürger den Park und seine Historie genießen können. Im wahren Sinne des Wortes: Denk-mal anders herum!

Was dagegen tun?
Die Augen tolerant-milde in falscher Liberalität verschließen, uns radikalisieren? Gebots- oder Verbotsschilder oder gar beides aufstellen? Anzeigen erstatten, die Presse einschalten, damit eventuell Wiederholungstäter anlocken? Das Für und Wider beschäftigt alle Beteiligten einschließlich BI schon heute weit über Gebühr, hält uns von fruchtbarer, konstruktiver Arbeit zugunsten des Gemeinwohls ab und zerstört das oben beschriebene Erbe. Nein, wir können und wollen nicht resignieren, stehen aber aufgrund zunehmender Vorfälle an der Schwelle, die bisherige Linie der ausschließlich wohlmeinenden Appelle zu verlassen. Was nicht so einfach ist. Und deswegen noch einmal: Liebe Königsdorfer/innen, wir bitten eindringlich um eure angemessene Achtsamkeit und Aufmerksamkeit in unserem wie in eurem Interesse. Wohl oder übel: Wir werden bei allen positiven Fortschritten im Park Villa Pauli auch auf das gesellschaftlich negative Thema „Sein & Schein“ und seine ungeplanten hässlichen Ausgestaltungsformen zurückkommen müssen. Vorschläge von euch und Ihnen zum Umgang mit den Problemen sind erbeten. Doch simple Lösungen helfen
nicht, und es gibt sie wohl auch nicht. Leider, leider…